Vollversammlung des Landesjugendringes Rheinland-Pfalz setzt Zeichen für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Freiräume für die Jugendarbeit und faire Arbeitsbedingungen für junge Menschen gefordert.

50 Delegierte aus den Mitgliedsverbänden sowie zahlreiche Vertreter/-innen aus Politik und Verwaltung nahmen an der Vollversammlung des Landesjugendringes Rheinland-Pfalz am 12. Mai in der KZ-Gedenkstätte Osthofen teil. Neben der Vertreterin des Jugendministeriums, Lucia Stanko konnten als Gäste unter anderem die SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Tanja MachaletDieter Klöckner und Heiko Sippel, die stellvertretende Vorsitzende der CDU-LandtagsfraktionMarlies Kohnle-Gros, der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus HagemannPia Schellhammer, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und Vorsitzende der Enquetekommission “Aktive Bürgerbeteiligung für eine starke Demokratie”,Alev Acer vom Bund der alevitischen Jugend, Birgit Zeller vom Landesjugendamt sowie Uwe Bader, Leiter der Gedenkstätte Osthofen und Rolf Müller von der Sportjugend begrüßt werden.

Angesichts der Aufdeckung der rassistisch motivierten Morde des „NSU“ im letzten November betonte Lucia Stanko In ihrem Grußwort die Notwendigkeit, auch zukünftig in der Jugendbildungsarbeit die Auseinandersetzung mit den Themen Nationalsozialismus und Rechtsextremismus intensiv zuführen.  In diesem Zusammenhang hob sie die wichtige Rolle der Jugendverbände für die Entwicklung  demokratischen Bewusstseins bei Kindern und Jugendlichen hervor. Marlies Kohnle-Gros beschrieb in ihrer Funktion als Mitglied der Enquetekommission “Aktive Bürgerbeteiligung für eine starke Demokratie” die Wichtigkeit eines intensiven Austausches mit den Jugendverbänden. Pia Schellhammer griff die vom Landesjugendring im Rahmen einer Onlinepetition formulierte Forderung für die Absenkung des Wahlalters auf und rief dazu auf, sich auch weiterhin für die Umsetzung dieser gemeinsamen Forderung einzusetzen. Klaus Hagemann warnte angesichts der Einführung von  Schuldenbremsen in ganz Europa davor, die soziale Infrastruktur kaputt zu sparen und unterstrich, dass die Förderung der Jugendarbeit in den Haushalten der Länder und Kommunen als Investition definiert werden müssen. Tanja Machalet begrüßte das Engagement der Jugendverbände gegen Prekarisierung und für einen fairen Berufseinstieg junger Menschen.

Im Rahmen von Fachforen diskutierten die TeilnehmerInnen unterschiedliche Aspekte des diesjährigen Fachthemas „Beteiligung mit Zukunft!“. Im Fokus standen dabei verschiedene Aspekte wie neue Formen der Bürgerbeteiligung, die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre, E-Partizipation, MigrantInnen-Selbstorganisationen in der Jugendarbeit sowie das Projekt „Dorf-Leben“ als ein Beispiel gelebter Beteiligungskultur.

Der am Nachmittag einstimmig verabschiedete Leitantrag der Vollversammlung griff die Diskussionen vom Vormittag auf und formulierte zentrale Forderungen zur Stärkung der Partizipationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz. Diese zielen insgesamt auf die Ausweitung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen und reichen von der Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre über die Schaffung nachhaltiger Beteiligungsstrukturen auf kommunaler Ebene bis hin zum Ausbau der Jugendarbeit als Praxisfeld demokratischen Lernens(mehr).

Darüber hinaus forderten die Verbände im Landesjugendring unter dem Motto „Mehr Zeit zum selbstbestimmtem Leben und eigenverantwortlichem Lernen“ die Schaffung von Freiräumen für Jugendarbeit und außerschulische Bildung. Damit reagieren sie auf die Tendenzen zur zunehmenden Verschulung des Alltages junger Menschen im Zuge der (hoch-)schulpolitischen Reformen durch G8, BA/MA-Einführung sowie der Einrichtung von Ganztagsschulen und setzen diesem Trend konkrete Forderungen an die rheinland-pfälzische Politik entgegen (mehr).

Mit dem Beschluss „Fair statt prekär“ forderten die Mitgliedsverbände des Landesjugendringes zudem, Jugendlichen in Rheinland-Pfalz einen fairen und sicheren Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. In diesem Sinne sprach sich die Vollversammlung unter anderem für eine  bessere Regulierung von Leiharbeit und die Einführung von Mindestlöhnen aus (mehr).